Mittwoch, 26. März 2014

Der Ton macht die Musik

Ich stieß heute auf einen Blog-Eintrag, den ich mit viel Interesse gelesen und für gut befunden habe. Einerseits, weil mir der Schreibstil gefiel, andererseits, weil mir die Autorin sympathisch war. Und weil er mich zum Nachdenken gebracht hat. Einerseits über das Thema "Kurven oder Knochen" an sich. Andererseits auch über andere Themen. Eines davon will ich hier näher erläutern. 
Aber zunächst ein kleines Experiment. Welche dieser Aussagen ist die, die sympathischer wirkt? 


Ich finde, dass sich die Musik von X mit den letzten Alben in eine negative Richtung entwickelt hat. Gefällt mir nicht. 
Die Musik von X ist seit zwei Alben ist einfach nur noch schlecht, X sollte aufhören, Musik zu machen. 

Na? 
Die wenigsten werden Aussage 2 als die empfinden, die einen zu überzeugen versucht, sondern eher als ein Aufzwängen der Meinung des Autors. 
Woher kommt’s? Ich bin nicht ultimativ fit in Psychologie, aber (meine allseits beliebte Quelle:) schon im Streitschlichter-Grundkurs lernt man, dass man Ich-Botschaften aussenden soll, wenn man seine Meinung, Werte und Ansichten vermitteln will. 
Ich finde, du machst das so nicht richtig.
Du machst das falsch. 
Was würde man wohl lieber hören? Genau. Und obwohl man sowas subtiles wie eine einfache Einbringung der eigenen Persönlichkeit schon im Kindesalter lernt (MAMA ICH HAB HUNGER!) wird es in der heutigen Zeit immer seltener, diese im alltäglichen Leben zu finden. Ich bin da selbst kein Musterbeispiel und "Du machst das falsch!" ist halt auch viel schneller gesagt, als "Ich denke, du könntest das und das verbessern.". Außerdem gibt es der Aussage etwas Finales und Endgültiges. Die Meinung wird durch den Satzbau zur Tatsache. Sie ist damit keine Meinung mehr, sondern FAKT. Bei einem Lob freut man darüber natürlich umso mehr (wer wird nicht gern so final gelobt. :B), ganz davon abgesehen, dass Ich-Botschaften im übertriebenen Maße überheblich wirken und dazu verleiten, den Absender der Botschaft als Narzisst zu beschimpfen, der sich selbst permanent einbringen muss. 

Aber gerade bei Kritik, die grundsätzlich immer konstruktiv und sachlich sein sollte, sollte man stark darauf achten, diese mit einer Ich-Botschaft zu senden. 
Kritik bedeutet, man möchte, dass sich etwas ändert. Und eine Veränderung erreicht man in den seltensten Fällen, wenn man dem anderen eine negative Tatsache ins Gesicht klatscht und ihm sagt, wie schlecht er ist. Besser ist dem anderen zu vermitteln, was MAN SELBST daran nicht gut findet. Und im besten Fall nennt man ein paar Verbesserungsvorschläge. Das zeigt dem Gesprächspartner, dass man sich durchaus Gedanken gemacht hat und ihm nicht einfach nur eins reinwürgen will. Und obwohl sich im gesamten vorangegangenen Text nun nichts findet, was man nicht schon mal irgendwo gehört hat, kennt jeder von uns mindestens einen, der Ich-Botschaften bestenfalls dann aussendet, wenn er Beschwerden hat. 
 Woher kommt’s? 
Weil der Mensch immer Recht haben will? Vermutlich. Trotzdem sollte man doch das ein oder andere Mal, wenn man jemanden auf einen Fehler oder ein Versagen hinweisen will, nachdenken, wie man das genau macht. Im Regelfall geht es dann nämlich allen Beteiligten besser und nicht nur dem, der die Kritik geäußert hat und damit dem anderen auf den Fuß getreten ist.

In diesem Sinne: Wer das ließt ist doof. Das ist ein Fakt! 
Gute Nacht. :D

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