Montag, 11. August 2014

Ingress - Menschen, die auf Handys starren

Seit November 2012 gibt es das Augmented-Reality-Game "Ingress" von Google, bzw. deren Tochter Niantic und nachdem am 14. Dezember 2013 die Beta beendet wurde, kam im Juli 2014 der iOS Release - woraufhin die Plattform G+ quasi sofort von seltsamen Bildern, die mit Äpfeln und den Farben Grün und Blau zu tun haben, überflutet wurde. Aber was steckt hinter dem Hype um ein Spiel, das Menschen durch die Gegend laufen und sie permanent auf ihre Smartphones starren lässt?

The world around you is not what it seems


Note: Fachjargon wird sich nicht vermeiden lassen, ich versuche ihn aber so einfach wie möglich zu halten.

Hat man sich einmal die App geladen und geöffnet, steckt man schon im Spiel drinnen. Denn in Ingress ist jeder Spieler ein Agent, der zunächst von einer unbekannten Materie, dem Exotic Matter (Abk. XM), erfährt, welches sich um sogenannte Portale ausbreitet. Zu Beginn kann man sich dann entscheiden, ob man der Resistance oder den Enlightened angehören will. 
Die Enlightened sehen das XM als einen großen Vorteil an und wollen es für den Fortschritt der Menschheit nutzen, während die Resistance das XM als Gefahr wahrnimmt und die Gesellschaft vor dem Unbekannten retten will. 

Ingame macht es prinzipiell keinen Unterschied, welcher Seite man angehört, da es keine davon abhängigen Features oder Besonderheiten gibt. Sehr wohl unterscheidet sich je nach Region jedoch die Verteilung der einzelnen Seiten und deren Agents, es gibt also durchaus Gebiete, in denen die Enlightened (oft als Frogs betitelt) bzw. die Resistance (Smurfs) in höherer Zahl vertreten sind oder einfach nur koordinierter vorgehen. Ebenso unterschiedlich sieht es mit dem Konkurrenzkampf um ein Gebiet aus. Mancherorts verstehen sich die beiden Fraktionen gut und planen auch gelegentlich gemeinsame Events oder haben eine Art "Ehrencodex" in dem gewisse Dinge seitenübergreifend geregelt sind. Anderswo empfinden Frogs und Smurfs einfach nur tiefe Verachtung für den anderen und machen sich das Leben so gut es geht schwer. Oft gibt es aber auch nur einzelne Spieler, die ihren Gegnern so begegnen, aber die gibt es ja bekanntlich in jedem Multiplayer.

Wie eingangs erwähnt, muss man sich für Ingress mit dem Smartphone vor Augen durch die Gegend bewegen, um zu den Portalen, welche meist reale Sehenswürdigkeiten sind, zu gelangen und mit diesen zu interagieren, was einen zwangsläufig irgendwann mal in die Arme von Mit- bzw. Gegenspielern treibt. 
Dieser Punkt ist etwas, was Ingress ausmacht, denn man unterhält sich nicht nur via Tastatur oder TeamSpeak mit den Menschen, man begegnet ihnen in der Realität. Es kann sein, dass dies die erste Art der Kontaktaufnahme ist, ich persönlich habe damals zuerst den Kontakt über die G+ Plattform mit der hiesigen Community aufgenommen, was ich auch stark empfehlen kann. Oft gibt es dann auch Events, wie zum Beispiel einen wöchentlichen Stammtisch (in München ist dies in beiden Fraktionen der Fall), sporadische Aktionen um Portale einzunehmen, sog. Farmen, etc. die die Beziehungen innerhalb der Faction fördern und Ingress zu dem Gemeinschaftsspiel machen, das es ist.

Allgemein wird der Kontakt zueinander groß geschrieben und das Zusammenspielen mit anderen Agents aus den eigenen Reihen macht oft nicht nur mehr Spaß, als das alleinige Umherwandern, es ist oftmals auch gleich noch viel effektiver für den Fortschritt, den man ingame macht, schließlich gibt es auch in Ingress ein Level-System (höchstes Level liegt derzeit bei 16), das ab einem gewissen Zeitpunkt an ein Badge-System geknüpft ist. Diese Badges erhält man, wenn man bestimmte Tätigkeiten ingame wiederholt ausführt, sprich wenn man einfach ein aktiver Spieler ist, ergeben sich diese fast automatisch.

Was uns zur Spielmechanik bringt:
Portale werden einem auf dem Display (ingame wird vom Scanner gesprochen) angezeigt und sobald man bei einem solchen angekommen ist, lässt sich dieses Hacken. Das Hacken ist elementar, denn nur so erhält man sein Equipment. Danach kann man dieses mit Burstern beschießen, so es der gegnerischen Fraktion gehört. Hat man es daraufhin neutralisiert, beginnt der Zeitpunkt des Aufbauens, man platziert sogenannte Resonatoren, deren Verwendung vom eigenen Spieler-Level abhängt (selbiges gilt auch für die Burster). Man kann dann das Portal mittels Keys von anderen Portalen mit eben diesen verbinden und so weiter stärken, diesen Vorgang nennt man LinkenDas Portal bzw. die eigenen Resonatoren sind schwerer zu zerstören, je mehr Links an einem Portal hängen, zusätzlich gibt es noch Mods, die man am Portal anbringen kann (Schilde, etc.), um es zu stärken, öfter zu Hacken, etc. etc.

Hier zur Veranschaulichung ein (gegoogelter) Scanner:




Hier sieht man den Pfeil (bei der Resistance ist er blau, ebenso wie die Leiste oben und der Name), der den Spieler symbolisiert und den gelben Rand, der für den Aktionsradius steht. In dem Aktionsradius befindet sich ein grünes Portal, außerhalb mehrere blaue. Die oben erwähnten Resonatoren sind hier die lila Punkte rund um die Portale, während die blauen, leuchtenden Partikel auf dem Boden das XM darstellen, welches wichtig ist, um Aktionen ingame durchzuführen.
Zu Beginn des Spiels wird einem ein Training empfohlen, welches man nutzen sollte, da es ausführlicher ist, als mein Kauderwelsch und man einen wirklich guten Eindruck davon bekommt, was einen später erwartet. 
Grundsätzlich gibt es extrem gute Guides für Ingress, die oft auch von den jeweiligen Communities immer wieder geteilt und geshared werden, um Anfängern den Einstieg zu erleichtern. Der bekannteste sollte wohl How not to suck at Ingress sein.

Wer sich für Ingress entscheidet wird schnell feststellen, wie sehr einen das Spiel in den Bann ziehen kann und wie anders man die Welt plötzlich wahrnimmt. Man bekommt ein ganz anderes Auge für die Kirchen, Statuen und Skulpturen um einen herum, erkennt oft ganz intuitiv und ohne Handy, dass da Portale vor einem stehen und sucht automatisch nach anderen Spielern, wenn man deren Aktivitäten ingame angezeigt bekommt (und erkennt sie an ihrer Art, wie sie sich umsehen oder eben auf ihr Smartphone starren). 
Außerdem fördert das Spiel den Drang zur Bewegung - es sei denn, man spielt nur im Auto, was möglich aber nicht ganz so legal ist, siehe StVO - und führt automatisch zu sozialen Interaktionen mit anderen, wenn man denen nicht gerade aus dem Weg geht. 

Ich habe durch Ingress einige großartige Menschen kennengelernt und spiele das Spiel nun seit der closed Beta 2012 (wenn auch mit einigen Pausen), weil es durch die immer neuen Mitspieler und die Events, die auch hin und wieder von Niantic geplant und durchgeführt werden, nie wirklich langweilig wird und man immer auf Achse ist. 
Ob das Spiel mal ein Ende haben wird, ist fraglich. Genauso, wie dieses aussieht. Es gibt durchaus auch eine Storyline, wie diese ihr Ende finden wird, steht aber noch in den Sternen.

Grundsätzlich lässt sich Ingress jedem empfehlen, der gern viel Datenvolumen hat, kein Bewegungsmuffel ist und nicht zur Soziophobie neigt. 
Und ich hoffe, ich konnte das Spiel dem einen oder anderen etwas näher bringen. :)

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