Montag, 4. August 2014

Warum Vegetarier (nicht) doof sind

Ha, was für ein schön polarisierender Titel das ist. Fast so wie die gesamte "Fleischesser vs. Veggies"-Debatte.
Aber warum poste ich als erklärter Fleisch- und Tiererzeugnis-Esser das? Der Grund ist ein aktueller Anlass, bei dem ich aber ein bisschen weiter ausholen möchte.

Note: Ich will hier niemandem Honig ums Maul schmieren und niemanden dafür diskriminieren, wie er/sie lebt. (Traurig, dass ich's erwähnen muss, aber in dem Thema fühlen sich Leute leider schnell auf den Fuß getreten)

Ich bin in einer Familie groß geworden, in der es normal ist, jeden Tag Fleisch zu essen. Von Vegetarismus hab ich zum ersten Mal mit 13 was gehört, danach ist das Thema für mich aber wieder sehr lange in der Versenkung verschwunden, bis ich wieder vermehrt damit in Berührung kam. Nicht zuletzt, weil einige Bekannte von mir Veganer oder Vegetarier sind.

Nun habe ich in den letzten Tagen darüber nachgedacht, wie ich mich momentan ernähre und wie ich das verbessern kann. Natürlich: Weniger Schokolade oder anderen Süßkram und dafür mehr Obst und Gemüse. Aber reicht das wirklich aus?
Wie einige vielleicht wissen leide ich an einem relativ gebrechlichem Körper (klingt dramatischer, als es ist), weshalb sich mir auch oft die Frage stellte, ob Vegetarismus dann so sinnvoll ist. Andererseits würde ich damit vielen meiner Lebensmittelallergien an den Kragen gehen, die bei mir durchaus in Massen vorhanden sind. 
Da ich aber ein sehr neugieriger Mensch bin, habe ich beschlossen, es einfach auszuprobieren. 
Mein Ziel: Einen Monat vegetarisch zu leben und dabei einmal in der Woche einen veganen Tag einzulegen. 
Das muss für eine passionierte Alles-Esserin wie mich reichen. 

So, nun möchte man also meinen, das sei doch eine ganz vernünftige Idee und gesund und obendrein auch noch weltoffen (oder so). Zumindest in meiner Welt ist das so. 

Da ich noch zu Hause bei meinen Eltern (manch einer möge sagen "Hotel Mama") wohne, habe ich dies also zwangsläufig mal selbigen mitgeteilt, woraufhin ich Entrüstung, Spott und "Bist du blöd!?"-Fragen, sowie düstere Zukunftsprognosen erntete.
Ich wusste lange Zeit nicht, warum es viele Vegetarier gibt, die nicht wollen, dass man über ihr Essverhalten spricht. Heute bekam ich einen kleinen Einblick davon. 
Meine Mutter starrte mich zunächst verwundert an und sagte dann "Das ist aber nicht dein Ernst! Jetzt kommst du auch noch damit.", mein Bruder amüsierte sich hingegen aufs köstlichste und warf dann bitterlich ernst ein, dass meine Knochen und Sehnen dadurch noch mehr leiden würden. Außerdem fehle mir dann die Kraft zum arbeiten.
Ich hielt dagegen, dass ich weder rauche, noch andere Drogen konsumiere, noch häufig übermäßig viel Alkohol trinke und Fleisch mein einziges Laster sei und dass ich dieses gern bekämpfen würde. Außerdem würde sich Vegetarismus sehr wohl positiv auf die körperliche Gesundheit auswirken.
Er tat dies damit ab, dass er viel Fleisch esse und noch nie Probleme mit den Knochen gehabt hätte, anders als ich. Meine Mutter warf daraufhin ein, dass er von Grund auf anders gebaut sei, womit sie auch Recht hat, und gab mir später zu verstehen, dass sie mein Vorhaben grundsätzlich unterstütze, sie es dennoch komisch fände. 


Ich muss zugeben, ich hab nicht mit tosendem Beifall gerechnet, diese Unterhaltung habe ich aber auch nicht erwartet. Rückblickend muss ich sagen, ich hätte es kommen sehen sollen.
Immerhin habe ich mich schon immer gewundert, warum Fleischesser teilweise sehr vehement gegen Vegetarier/ganer reden und ihnen ihre Lebensweise madig machen wollen. Und ich muss ehrlich zugeben, ich kann nicht verstehen, warum. 
Natürlich kann ich nur von mir ausgehen, aber ich habe grundsätzlich gegen keinen wasauchimmer-Esser etwas, solange er mich nicht missionieren will oder mir unter die Nase reibt, wie gesund oder toll das doch ist, was er tut. Das ist aber grundsätzlich immer so. Ich bin auch pro Religionsfreiheit, wenn man mir nicht damit auf den Keks geht, dass mein Glaube verkehrt sei. So verhält es sich auch bei beliebig vielen anderen Dingen. 
Natürlich kenne ich auch solche, die einem permanent sagen, dass ihre Lebensweise die beste ist und man damit den Planeten rettet und überhaupt hauen die einen Fleischesser-Witz nach dem anderen raus. Auch in der Vegetarier-Fraktion. Aber das ist für mich noch lange kein Grund, sie alle über einen Kamm zu scheren und grundsätzlich zu verteufeln...
tl;dr: Soll doch jeder so machen, wie er will und mich damit in Ruhe lassen. ;)

Naaaaaaja. Im Grund hat sich mein Wille durch diesen Dialog nur gefestigt und ich will den "Grünen Monat" nun auch wirklich durchsetzen. Vielleicht noch nicht im August (sorry, aber da wird noch fleißig gegrillt!), aber im September oder Oktober kann ich mir den Verzicht auf Fleisch durchaus vorstellen.

Achso, um zum Titel zurückzukehren: 
Vegetarier und Veganer sind imho nicht doof. Und auch nicht schwach. Für mich zeugt es definitiv von Willensstärke, auf so viel zu verzichten und ich ziehe davor meinen Hut. 

1 Kommentar:

  1. Also ich hab ehrlich gesagt auch Zweifel das vegetarisch ernähren viel gesünder ist. Aber hey es geht nichts über ein gutes Experiment. Wenn's dir damit besser geht ist alles super und wenn nicht kannst ohne schlechtes Gewissen weiter Fleisch essen - auch super. Insofern kann es nur gut ausgehen. :-) Viel Erfolg!
    Bei euch daheim geht's ja ab. Was wohl erst los wäre wenn du verkündest Fruktarier oder Breatharianer zu werden?

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